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Döhnsdorf

Gründung des Dorfes

Schriftliche Berichte darüber, wann und von wem Döhnsdorf besiedelt wurde, gibt es nicht.

 

Wilhelm Koppe meint, daß „die außerhalb der Wildnis von 1224-1229 zwischen Kasseedorf und Testorf von deutschen Kolonisten in vorher nicht oder kaum bewohnte Wälder gesetzten Dörfer offenbar alle unter den Grafen Adolf III (-1201) und Albrecht von Orlamünde (-1226) gegründet worden“[1] sind. Das würde auf Döhnsdorf zutreffen. „Die deutschen Ortsnamen, die in der Zeit vor 1400 entstanden sind, wurden überwiegend mit dem Grundwort –dorf gebildet“.[2]

 

Ich vermute, daß das Dorf im Zuge der Kolonisation von Lütjenburg in Richtung Oldenburg um das Jahr 1200 herum gegründet worden ist. Die Küstenorte von Lippe über Haßberg nach Sechendorf und Sehlendorf bis Döhnsdorf, alle im Rückzugsgebiet der slawischen Bevölkerung gelegen, scheinen alle von deutschen Kolonisten gegründet worden zu sein. Die Besiedlung des Großen Schlichtenbergs bei Futterkamp begann ebenfalls um 1200. Ausgeschlossen ist es sicher nicht, daß die Ortsgründungen planvoll und in einem Zuge vonstatten gingen.

 

Zu welchem Gau Döhnsdorf in wendischer Zeit gehörte, ob zu Lütjenburg oder zu Oldenburg, ist schwer zu sagen. Unser Dorf lag, wie später auch, in einem Grenzbereich zwischen diesen Gebieten.

 

Das ganze Mittelalter hindurch ist für Oldenburg ein Vogt bezeugt. Die Westgrenze der Vogtei Oldenburg bildete - so beschreibt es Ulrich March - „das verkehrsfeindliche Bungsbergmassiv und eine von dort aus in nördliche Richtung zur Hohwachter Bucht verlaufende, z.T. heute noch naturräumlich ausgeprägte Linie.“[3]

 

Diese Linie hat „in politischer und kirchlicher Hinsicht stets eine Rolle gespielt“ (Grenze zwischen zwei slawischen Siedlungskammern, dem Land Oldenburg und dem Land Lütjenburg, den Kirchspielen Blekendorf und Hansühn, den Quarten[4] Plön und Oldenburg; heutige Kreisgrenze).[5]

 

Ich vermute diese Grenze eher im Bereich des Mühlenholzes. Aus dem Bungsberggebiet kommend, am Dorfrand von Wasbuck entlang, fließt hier die Mühlenaue durch eine schluchtartige Waldlandschaft und mündet beim Eitz in die Ostsee. Zudem wird, wie bereits ausgeführt, in dem Bereich Döhnsdorf – Kükelühn – Todendorf eine Siedlungskammer vermutet und bei Farve soll der Urwald sich weit ins Tal herunter gezogen haben. Die heutige Trasse der Bundesstraße ist bekanntlich erst im 20. Jahrhundert erbaut worden. In den Jahrhunderten davor führte die Landstraße an der Ostsee entlang. Stationen waren Eitz und Brök, dann gabelte sich der Weg zum einen in Richtung Oldenburg und zum anderen geradeaus Richtung Heiligenhafen. Auf der Varendorf’schen Karte von 1789-1796 führte der Weg zum Eitz, wo man die Mühlenaue über eine Brücke queren konnte. Auf der anderen Bachseite war dann ein Weg vorhanden, der entlang des Mühlenholzes zurück Richtung Wasbuck verlief. Zur Kolonisationszeit wird das Dorfland, das sich in der Neuzeit in Richtung Barensdorf – Kaköhl – Sehlendorf hinzog, wesentlich größer gewesen sein. Es gab ja den späteren Meierhof Friederikenhof noch nicht, so daß die Dorfländereien in Richtung Ostsee aber auch in Richtung Mühlenholz gelegen haben können.

 

Es spricht vieles dafür, daß Döhnsdorf mehr nach Lütjenburg als nach Oldenburg orientiert war und von Lütjenburg aus die Kolonisierung eingeleitet worden ist.

 

Siedlungsleer wird der Döhnsdorfer Bereich bei der Gründung des Dorfes nicht gewesen sein. Einzelsiedlungen oder ein in der Nähe gelegenes Dorf (Ohlendörp?!) kann es gegeben haben. Nicht einmal das Vorhandensein einer Vorgängersiedlung am gleichen Platz ist ausgeschlossen. Was mag für die Anlage eines Dorfes an dieser Stelle ausschlaggebend gewesen sein?

 

Wenn sich, begrenzt durch die Sehlendorfer, Kaköhler, Barensdorfer und Wasbucker Scheiden, das Dorfland zur Ostsee und zum Mühlenholz hingezogen haben sollte, lag der Ort sehr zentral. Auch verkehrstechnisch war der Platz gut gewählt. Während von Kaköhl aus ein Höhenweg über die Bungsberge mit den Stationen Nessendorf, Kükelühn, Hansühn und Harmsdorf nach Lensahn führte, war, von Döhnsdorf aus, Oldenburg zum einen über die beschriebene Strandstraße Richtung Eitz – die sich bis dort zwischen zwei Höhenzügen entlangzieht - und zum anderen über die Verbindung Wasbuck, Wangels, Grammdorf, Johannisdorf und Lübbersdorf erreichbar.

 

Weite Teile der Grube-Wessek-Niederung wurden erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts trockengelegt. Die Gegend im Bereich des Oldenburger Grabens war also wesentlich unzugänglicher als heute. Übergangsstellen gab es nur über die Brökbrücke und bei Lübbersdorf, wo die Landstraßen aus Richtung Eutin und aus Richtung Neustadt zusammentrafen. Farve und Ehlerstorf befanden sich in einer Randlage und Reisende mußten über Grammdorf bzw. Johannisdorf nach Oldenburg gelangen. Vielleicht war diese Abgelegenheit ein Grund für die Bildung des Kirchspiels Hohenstein.

 

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[1] Wilhelm Koppe (Rodung und Wüstung ...) ebda.

[2] Antje Schmitz, ebda.

[3] Ulrich March, Die holsteinische Heeresorganisation im Mittelalter, ZHSG 99, S. 95 ff.

[4] Anmerkung: Das Bistum Lübeck war in Quarte eingeteilt. Das Kirchspiel Hansühn gehörte zum Quart Oldenburg und das Kirchspiel Blekendorf zum Quart Plön.

[5] Ulrich March, ebda.

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