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Die Organisation der Döhnsdorfer Schule um 1880






Wie die Döhnsdorfer Schule um 1880 organisiert war,


Schulmatrikel

für die Schule zu Döhnsdorf – Parochie Hansühn, Probstei Oldenburg – Kreis Oldenburg


I. Der Schuldistikt umfaßt folgende Ortschaften und Wohnstätten:

Von dem Gutsbezirk Weißenhaus den Haupthof Weißenhaus, das Dorf Döhnsdorf und den Meierhof Friederikenhof.


II. Die Schule besteht aus einer Klasse, die in Ober-, Mittel- und Unterstufe geteilt ist, wovon die zwei ersteren wöchentlich je 30, die letzte 24 Unterrichtsstunden erhalten.


Die Schule wurde im Winterhalbjahr 1877/78 von 65 Kindern besucht. Die Geschlechter werden nicht getrennt unterrichtet.


An der Schule ist ein Lehrer angestellt.


Handarbeitsunterricht wird in 4 Unterrichtsstunden wöchentlich von einer mit 72 M jährlich besoldeten Lehrerin erteilt.


Turnunterricht wird in 2 wöchentlichen Unterrichtsstunden vom Lehrer ohne besondere Vergütung erteilt.


III: Das Vermögen der Schule besteht:

1. aus einem Schulhause nebst Hofraum und einem Nebengebäude. Das Schulhaus, in Stein ausgeführt mit einem Rohrdach, ist ringsum in einer Breite von 1,4 m abgepflastert. Es enthält:

a) ein Schulzimmer mit zwei resp. nach Westen und Norden gelegenen Außenwänden, im Fachgeschoß zu 11,20 m Länge, 7,21 n Breite und 3,02 m Höhe mit 7 Fenstern, 5 nach Westen und 2 nach Norden gerichtet. Es wird durch einen Kachelofen geheizt. Für ausreichende Lufterneuerung ist durch 3 verschließbare Klappen gesorgt. Der Fußboden ist von Brettern. An Schulutensilien befinden sich darin 17 Schultische mit Bänken von durchgängig 3 m Länge, 3 Wandtafeln, ein Lehrersitz, in dem ein kleiner Schulschrank angebracht. An Lehrmitteln sind vorhanden: 1 Wandkarte der ----, 1 Wandkarte von ....., 1 Wandkarte von Schleswig-Holstein und 1 Wandkarte des neuen Maßes und Gewichtes, außerdem 1 Wandfibel mit 32 Tabellen. Vor dem Schulzimmer befindet sich ein Vorplatz von 2,71 m Lände und 1,72 m Breite mit ausreichender Einrichtung zur Aufbewahrung der Kopfbedeckungen der Kinder.

b) zu der Lehrerwohnung: 4 heizbare Stuben mit einer Grundfläche von resp. 21,95, 12,60, 11,28 und 8,10 qm im Fachgeschoß; 2 Kammern, wovon eine im Giebel, eine im Erdgeschoß; 1 Küche; 1 Speisekammer; Keller fehlt.


c) und d)

Der Hofraum enthält 610 qm, darauf ein Nebengebäude von Fachwerk und Rohrdach, enthaltend einen Stall für 2 Kühe, 2 Schweineställe, 1 Hühnerstall, ferner 1 Dreschtonne, einen Raum zur Aufbewahrung des Korns, 1 Abort für den Lehrer, sowie einen Abort mit 2 Sitzen für die Kinder (Knaben und Mädchen) ohne getrennten Eingang. Außerdem befindet sich bei der Schule ein nach der Landstraße offener Spielplatz von ca. 140 qm, der zugleich als Turnplatz genutzt wird und mit einem Reck und 2 Barren versehen ist, ein Schulbrunnen mit gutem Trinkwasser, ein Backhaus für den Lehrer im Hofraum.


2. aus folgenden Grundstücken

a. zwei Gärten von resp. 1437 qm Flächenraum zur Benutzung des Lehrers.

b. Schulmoor nicht vorhanden

c. Schuldienstland: 5 Tonnen 77 Quadratruten alt. Maaß. – reichlich 2 ½ ha – Ackerland, das vom Lehrer selbst benutzt wird und von der Schulkommüne frei bearbeitet. Der Nutzungswert ist infolge Patents vom 16. Juli 1864 unter Berücksichtigung der freien Bearbeitung abgeschätzt zu M 442,35.

d. Zinsen von Kapitalien nicht vorhanden.

e. von dem Schulpatron, dem Gutsherrn von Weißenhaus, sind jährlich 8 Fuder Busch und 18000 Torf zu liefern.


Diensteinkünfte der Lehrerstelle:


1

Dienstwohnung, deren Wert nach ortsüblichen Mietpreisen

zu veranschlagen ist auf

90,00 M

2

Gartennutzung zu veranschlagen auf jährlich

50,00 M

3

Feuerung zum Hausbedarf von 5 Fuder Busch (a 12 M) und

12000 Torf (a 4 M) zum Gesamtdurchschnittswert von


Zur Heizung des Schulzimmers 3 Fuder Torf und 6000 Torf

108,00 M

4

Ertrag des Dienstlandes

442,35 M

5

Lieferung von 4,17 hl Roggen

45,00 M

6

Baares Gehalt von

413,25 M


Nr. 4 bis 6 zusammen

900,60 M



VI. Aufbringung der Schullasten seitens der Schulgemeinde:


1

zur baulichen Unterhaltung des Schulhauses i. pert. durchschnittlich

100,00 M

2

Bearbeitung des Schullandes

200,00 M

3

Anschaffung der Feuerung und Fuhrlohn

168,00 M

4

4,17 hl Roggen

45,00 M

5

Lehrmittel und sonstige Ausgaben durchschnittlich

15,00 M

6

Baargehalt des Lehrers

413,25 M


Diese Schullasten werden von dem Besitzer des sämtlichen Grundbesitzes des Schuldistrikts, welcher den Untergehörigen einen geringfügigen Teil als Zeitpächter durch Zeitpachtkontrakte auferlegt hat, aufgebracht.


Sonstige Einnahmen fließen nicht in die Kasse.


Das Reinigen des Schullokals geschieht durch die Schulkinder unter Aufsicht des Lehrers; das Heizen besorgt der Lehrer ohne Vergütung.


VII. Vertretung der Schulgemeinde:

Localschulinspektor ist der Prediger in Hansühn.

Die Schulgemeinde hat keine nach Maßgabe des Patents vom 16. Juli 1864 oder der Allgem. Schulordnung von 1814 geordnete Vertretung.


Schulpatron ist der Besitzer von Weißenhaus als Eigentümer sämtlichen Grundbesitzes des Schuldistrikts.


gez. Carl Reichsgraf von Platen zu Hallermund als Schulpatron

gez. der Schulinspektor, Past. Lüers

gez. E. Prehn, Lehrer


Vorstehende Schulmatrikel wird hirdurch nach stattgehabter Prüfung mit dem hinzufügen bestätigt, daß für die Schule folgende Lehrmittel angeschafft worden sind:

ein Globus, Wandkarte von Deutschland und Palästina, Abbildungen für den weltkundlichen Unterricht, ein Alphabet für den ersten Leseunterricht, eine Geige, ein Lineal, ein Zirkel und eine Rechenmaschine, daß ferner ein Schulschrank angeliefert und daß endlich ein vorschriftsmäßiger Abort nebst Pissoir hergestellt worden ist.


Königliches Kirchenvisitatorium der Probstei Oldenburg

zu Cismar und Lensahn, den 22. Dezember 1879/10. Januar 1880

gez. Wenneker gez. Stinde




Norbert Kahl im Januar 2010



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